Factoring als strategischer Baustein der Unternehmensfinanzierung
Das Angebot an alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand ist trotz Finanzmarktkrise vorhanden. Asset-orientierte Finanzierungen wie Leasing, Sale-and-lease-back sowie auch Factoring rücken vermehrt in den Vordergrund und ersetzen zunehmend die traditionelle Bankenfinanzierung.
Viele mittelständische Unternehmen zucken bei Fragen im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Verbesserung Ihrer Finanzierungsstruktur nur mit der Schulter. Bislang war
für deren Finanzierung überwiegend die Hausbank zuständig. Heute ist hier schnell das Ende der Fahnenstange erreicht, wenn es um weitere Kreditlinien geht. Zusätzliche Sicherheiten oder höhere
Konditionen werden verlangt. Kurzfristige Darlehen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen werden immer seltener vergeben - Liquiditäts-
engpässe sind die Folge.
Dadurch geraten Unternehmen oftmals in existenzgefährdende Schieflagen, vor allem dann, wenn der Absatz nicht mehr finanziert werden kann. Trotz voller Auftragsbücher müssen jedes Jahr tausende
mittelständische Unternehmen den schweren Gang in die Insolvenz antreten. Durch den Einsatz moderner Finanzierungs-
instrumente wie etwa Sale-and-lease-back und insbesondere auch Factoring, können die Unternehmen aktiv gegensteuern. Während Leasing seit langem am Markt bekannt ist, hat sich Factoring vorallem
erste in den letzten Jahren im Mittelstand etabliert. Mehr als 10.000 Unternehmen nutzen diese Dienstleistung bereits.
Was versteht man unter Factoring?
Unter Factoring versteht man den Ankauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen
gegen sofortige Zahlung des Kaufpreises. Finanzierung, Versicherung der Forderungsausfälle und Debitoren- managment sind beim klassischen Full-Service-Factoring in einer Dienstleistung vereint.
Darüber hinaus
kann die Factoringgesellschaft eine ganze Reihe von Dienstleistungen anbieten, wie etwa das Führen der Debitorenbuchhaltung sowie das Mahn- und Inkassowesen. Gerade ein unzureichendes
Debitorenmanagment ist laut einer Studie von Euler Hermes mit 65 Prozent die dritthäufigste Ursache für die Insolvenz eines Unternehmens. Die zusätzlichen Dienstleistungen kann eine
Factoringgesellschaft aufgrund ihrer Spezialisierung wesentlich kostengünstiger und effizienter anbieten. Vertraglich kann auch die vollständige Übernahme des Ausfallrisikos vereinbart werden.
Ein Unternehmen, das mit Factoring arbeitet, kann sich voll und ganz auf seinen Geschäftszweck konzentrieren. Die Finanzierung der Umsatzausweitung, die Führung der Debitorenbuchhaltung, das Einziehen der ausstehenden Rechnungsbeträge kann extrem kostengünstig und vora allem genau kalkuliert werden. Darüber hinaus hebt Factoring die Bonität des Unternehmens, das es aufgrund seiner liquiden MIttel in der Lage ist, sämtliche Lieferanten-Skonti auszunutzen.
Bislang konnten nur Forderungen von gewerblichen Abnehmern vorfinanziert werden. Einige wenige Gesellschaften machen hier bereits die Ausnahme und bedienen auch Unternehmen mit nicht-gewerblichen
Abnehmern, das sogenannte B2C-Factoring. Damit wird Factoring auch für die Berufsgruppen interessant,
die dieses Finanzierungsinstrument bislang gar nicht oder nur in sehr seltenen Fällen nutzen konnten.
Welche Vorteile bietet Factoring?
Factoring verbessert die Liquidität des Unternehmens, da es den
Rechnungsgegenwert abzüglich des Einbehalts sofort überwiesen bekommt. Das Unternehmen kann dadurch Liquiditätsengpässe vermeiden
und durch die sofortige Bezahlung eigener Rechnungen Skonti nutzen. Dazu kommt, das dass Risiko von Forderungsausfällen veringert wird, insbesondere beim echten Factoring.
Zusätzlich wird der Verwaltungs-
aufwand minimiert, der sonst durch die Eintreibung der Forderungen entstehen würde. Factoring lohnt sich insbesondere für die Unternehmen, die ihren Kunden großzügige Zahlungsziele einräumen.
Stilles versus offenes Verfahren
Im stillen Verfahren wird der Debitor von der Abtretung der Forderung an die Factoringgesellschaft
nicht informiert. Die Zahlung erfolgt weiterhin auf das Konto des Factoringnehmers. Allerdings wird dieses Verfahren nur noch sehr selektiv bei Kunden mit einwandfreier Bonität angewandt.
Die Valovis Commercial Bank bietet Ihren Kunden ausschließlich das offene Verfahren an, das heißt, der Debitor wird von der Abtretung der Forderungen informiert und darf die Zahlung mit
schuldbefreiender Wirkung noch noch auf das in der Rechnung angegebene Konto leisten.
Fazit
Factoring ist besonders für Unternehmen gedacht, die einen regelmäßigen Forderungseingang aufweisen
und die ihren Kunden weitgehende Zahlungsziele einräumen. In den letzten Jahren ist der Trend zur Inanspruch-
nahme alternativen Kapitals, insbesondere Factoring, stark gestiegen und die Unternehmen haben sich so unabhängiger von ihren Hausbanken gemacht. Darüber hinaus bietet auch Factoringgesellschaften
für Kleinunternehmen dieverse Lösungen an. Auch Forderungen gegenüber Privatkunden können
mittlerweile vorfinanziert werden.
Peter Rosenberger
Vorstandstmitglied der
Valovis Commercial Bank AG
[Mittelstand-Proaktiv]
